Was die INDUSTRIE dazu sagt - Lina Huertas

Das britische Manufacturing Technology Centre (MTC) ist maßgeblich an den nationalen und internationalen Bemühungen zur Entwicklung der Fabrik der Zukunft beteiligt. Wir baten Lina Huertas, Head of Technology Strategy for Digital Manufacturing beim MTC, uns ihre Sicht auf das Thema zu erläutern.

Das MTC ist führend an den Prozessen zur Digitalisierung des britischen Fertigungssektors beteiligt. Unser umfangreiches Forschungsportfolio zielt darauf ab, Unternehmen die Einführung von Technologie für die digitale Fabrik zu ermöglichen. Dafür stehen uns zusätzlich zu unseren eigenen Forschungsgeldern finanzielle Mittel der britischen Regierung und der Europäischen Kommission zur Verfügung.

Wir treiben die Umsetzung der nationalen Agenda für die Fabrik der Zukunft in Großbritannien auf allen Fertigungssystemebenen voran. Im Rahmen dieser Bemühungen sind wir in der Entwicklung von Normen aktiv: Wir führen die Entwicklung digitaler Standards zwar nicht an, kooperieren jedoch in Bereichen wie Cybersicherheit, Prozessen und Konnektivität mit Organisationen wie der britischen Normungsorganisation BSI (British Standards Institution). Darüber hinaus beraten wir uns mit Herstellern, um Anforderungen für Normen zu ermitteln und uns zu orientieren.

Die Wettbewerbsfähigkeit wird eine Herausforderung bleiben, neu ist ein wachsender Bedarf an mehr Agilität. Außerdem beobachten wir, dass neue Geschäftsmodelle entstehen: Wenn Hersteller aus Daten Erkenntnisse gewinnen, um die Betriebseffizienz zu maximieren, können sie anders arbeiten – wovon nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Kunden profitieren.

Unser „Reach“-Programm bietet leicht zugänglich Beratungen speziell für kleinere Unternehmen an. Mithilfe verschiedener Instrumente helfen wir ihnen, bestehendes Potenzial zu erkennen und einen Aktionsplan zu entwickeln. Tatsächlich sind es häufig Unternehmen dieser Größenordnung, die am meisten profitieren können. Sie sind beweglicher, und bei ihnen sind die Ergebnisse kontinuierlicher Prozessverbesserungen ziemlich schnell erkennbar.

Welche Botschaft zum potenziellen Einfluss der Fabrik der Zukunft würden Sie gern vermitteln?

Da gäbe es gleich zwei Botschaften. Die erste ist, dass sich die Bedeutung der Herstellung verändern wird. Zurzeit liegt die Herstellung eines Produkts in einer Hand. In Zukunft werden wir Verknüpfungen sehen zwischen demjenigen, der über das Wissen verfügt, demjenigen, der die Softwareplattform besitzt, demjenigen, der die Fertigungsstätte betreibt, und so weiter.

Meine zweite Botschaft bezieht sich auf den Wandel der Arbeitswelt. Und ja, das kann man als Herausforderung betrachten, aber wenn wir richtig vorgehen und die vorhandenen Talente richtig nutzen, liegt darin eine großartige Chance. Dieser Wandel könnte wirklich positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben.